Magic Girls
Saison 2010-2011

Neandertaler

Trainer: Melanie Pingen-Müller
Betreuer: Alex Braun

Für die Saison 2010/2011 wagen die Magic Girls einen Sprung zurück an den Anfang der Menschheitsgeschichte: Mit dem Motto „Neandertaler" bringen sie eine Steinzeitwelt auf die Bühne, die auf den ersten Blick urtümlich und roh wirkt – und sich bei genauerem Hinsehen als überraschend vielschichtige Show entpuppt, die Kraft, Ursprünglichkeit und tänzerische Präzision miteinander verbindet.

Die Kostümwelt lebt von Naturmaterialien, Fellstrukturen und erdigen Farbtönen, die bewusst grob und unbearbeitet wirken. Statt Glamour und Glitzer stehen hier Textur und Struktur im Vordergrund: Rohe Stoffe, ausgefranste Kanten und ein reduziertes Farbspektrum aus Braun-, Sand- und Ockertönen erzeugen ein Bild, das archaisch und kraftvoll zugleich wirkt. Diese bewusste Abkehr vom klassischen Show-Glamour ist mutig, weil sie ein völlig anderes Schönheitsideal auf die Bühne bringt als viele Karnevalsshows – und genau darin liegt der besondere Reiz dieser Saison.
Choreografisch setzt „Neandertaler" auf erdverbundene, kraftvolle Bewegungen: tiefe Positionen, ausgeprägte Bodenarbeit und Formationen, die an prähistorische Rituale und Gemeinschaftstänze erinnern. Statt eleganter, schwebender Linien dominieren hier stampfende Rhythmen, kraftvolle Armbewegungen und ein kollektives, fast tribalistisches Bewegungsgefühl, das die Gruppe als Einheit zeigt statt als Ansammlung einzelner Tänzerinnen. Diese Herangehensweise verlangt eine andere Art von Körperspannung und Ausdruck als die eleganten Vorgängershows – ein choreografisches Experiment, das die Vielseitigkeit der Gruppe unter Beweis stellt.

Musikalisch begleiten treibende, percussion-lastige Klänge mit tiefen Trommelrhythmen die Show und unterstreichen den urtümlichen Charakter des Mottos. Statt melodischer Popsongs setzen die Magic Girls hier auf ein rhythmisches Fundament, das der Choreografie Raum gibt, sich um Takt und Körperlichkeit statt um Melodie zu organisieren – eine spannende Abwechslung im musikalischen Repertoire der Gruppe.

Inhaltlich erzählt die Show eine kleine Geschichte über das Miteinander früher Menschengruppen: das gemeinsame Jagen, Feiern und Zusammenhalten in einer Welt ohne Komfort und Sicherheit. Diese Erzählung gibt der Choreografie eine emotionale Basis, die über die reine Optik hinausgeht – es geht um Gemeinschaft, Überleben und die Kraft, die aus dem Zusammenhalt einer Gruppe entsteht. Ein Thema, das sich unmittelbar auf das Selbstverständnis eines Tanzensembles übertragen lässt.

Für die Magic Girls bedeutet diese Saison einen weiteren Beweis ihrer stilistischen Bandbreite. Nach der eleganten Zurückhaltung der Eisbären-Show zeigt „Neandertaler" die Gruppe von einer erdigen, kraftvollen und bewusst unperfekten Seite – ein Kontrastprogramm, das beweist, dass die Magic Girls nicht auf ein einziges ästhetisches Konzept festgelegt sind, sondern jedes Motto konsequent aus sich selbst heraus entwickeln.
Rückblickend zeigt diese Show, wie viel Potenzial in scheinbar unglamourösen Themen steckt, wenn man sie ernst nimmt und konsequent umsetzt. „Neandertaler" beweist, dass Bühnenwirkung nicht zwingend von Eleganz oder Farbenpracht abhängt, sondern auch aus Rohheit, Textur und kollektiver Energie entstehen kann.

Für die Chronik der Magic Girls steht diese Saison damit für Mut zum ungewöhnlichen Motto – und für die Erkenntnis, dass jedes Thema, so ausgefallen es auch sein mag, mit der richtigen choreografischen Idee zu einer starken, in sich schlüssigen Show werden kann.
Auch die Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe profitiert von diesem Motto auf besondere Weise: Weil „Neandertaler" so stark auf kollektive, synchron getanzte Bewegung statt auf individuelle Glanzmomente setzt, wird diese Saison zu einer intensiven Übung in Teamgeist. Jede Tänzerin muss sich der Gruppe unterordnen, damit das gewünschte Bild einer geschlossenen, urtümlichen Gemeinschaft entsteht – eine Erfahrung, die den Zusammenhalt innerhalb der Magic Girls über die Saison hinaus spürbar stärkt und in späteren, ebenfalls stark kollektiv geprägten Shows immer wieder aufgegriffen wird.

Auch für die Kostümabteilung bedeutet „Neandertaler" eine willkommene Abwechslung: Statt glänzender Applikationen stehen Textur, Struktur und handwerkliche Verarbeitung im Vordergrund – ein kreativer Kontrapunkt zu den bisherigen, eher glamourösen Show-Kollektionen.

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