
Robin Hood
Mit der Saison 2011/2012 tauchen die Magic Girls in den Sherwood Forest ein und erzählen mit dem Motto „Robin Hood" eine Geschichte von Gerechtigkeit, Mut und Gemeinschaft. Nach der urtümlichen Steinzeitwelt des Vorjahres wechselt die Gruppe zurück zu einer klassischen Erzählform: einer Heldengeschichte, die Publikum jeden Alters sofort vertraut ist und die sich hervorragend für eine choreografische Umsetzung mit klaren Rollenbildern eignet.
Die Kostüme greifen die bekannte Ästhetik des Mittelalters auf: Waldgrün, Lederdetails, Kapuzen und Bogenschützen-Accessoires prägen das Bild der einen Seite, während kontrastierend höfische Eleganz mit tiefem Rot und feinen Stoffen die Welt des Adels repräsentiert. Dieser optische Gegensatz zwischen Wald und Schloss, zwischen einfachem Volk und Obrigkeit, bildet die visuelle Grundlage für die gesamte Show und wird choreografisch konsequent weitergeführt.
Tänzerisch lebt „Robin Hood" von einem klaren dramaturgischen Bogen: Der Wald als Ort der Freiheit und des Zusammenhalts wird durch dynamische, raumgreifende Formationen dargestellt, die an geschickte Bogenschützen und wendige Bewegungen durch dichtes Unterholz erinnern. Die höfische Welt hingegen wird mit strukturierten, fast tänzerisch-höfischen Elementen dargestellt, die Disziplin und Etikette betonen. Der Konflikt zwischen beiden Welten treibt die Choreografie voran, bis sich im Finale beide Seiten in einer gemeinsamen, versöhnlichen Formation vereinen – ein Bild für Gerechtigkeit, das sich am Ende durchsetzt.
Musikalisch unterstützt ein Mix aus mittelalterlich anmutenden Instrumentalelementen und modernen, treibenden Beats diese Erzählung. Die Kombination aus historischem Flair und zeitgenössischem Sound macht die Show zugänglich, ohne den Charakter der Geschichte zu verlieren – ein Balanceakt, der bereits in der „Köln"-Saison erprobt wurde und hier erneut erfolgreich zum Einsatz kommt.
Ein besonderer Fokus dieser Saison liegt auf der Rollenverteilung innerhalb der Gruppe: Einzelne Tänzerinnen übernehmen sichtbar die Rolle von Anführerinnen innerhalb der Formation, was der Choreografie zusätzliche erzählerische Tiefe verleiht. Diese Struktur mit klaren Führungsmomenten innerhalb der Gruppenchoreografie ist ein Novum in der Show-Chronik der Magic Girls und wird in späteren Saisons mehrfach wieder aufgegriffen.
Inhaltlich transportiert „Robin Hood" eine Botschaft, die weit über die reine Show hinausgeht: den Mut, für das Richtige einzutreten, auch wenn man in der Unterzahl ist, und die Kraft, die aus echtem Zusammenhalt entsteht. Diese Werte spiegeln sich nicht nur in der Geschichte, sondern auch in der Art, wie die Gruppe die Choreografie als kollektives Werk versteht, in dem jede Tänzerin ihren Platz und ihre Aufgabe hat.
Für die Magic Girls war diese Saison ein wichtiger Schritt hin zu erzählerisch komplexeren Shows mit klaren Charakteren statt reiner Themenwelten. Die Kombination aus bekannter Geschichte, starkem visuellem Kontrast und einer Botschaft, die sich unmittelbar auf das eigene Gruppengefühl übertragen lässt, macht „Robin Hood" zu einem der publikumsnächsten Mottos der frühen Jahre.
In der Chronik der Magic Girls steht diese Show für die Erkenntnis, dass die stärksten Shows nicht zwingend die exotischsten sind, sondern jene, die eine Geschichte erzählen, mit der sich Publikum und Tänzerinnen gleichermaßen identifizieren können.
Bemerkenswert ist außerdem, wie geschickt die Show den Spagat zwischen Kindergeschichte und ernsthafter Bühnenkunst meistert: „Robin Hood" ist Familien und Kindern aus unzähligen Büchern und Filmen bekannt, wird hier aber choreografisch so anspruchsvoll umgesetzt, dass auch ein erwachsenes, tanzerfahrenes Publikum überzeugt wird. Diese Fähigkeit, ein vertrautes Motiv gleichzeitig zugänglich und künstlerisch ambitioniert zu inszenieren, wird zu einem Qualitätsmerkmal, an dem sich die Magic Girls auch in späteren Saisons immer wieder messen lassen.
Nicht zu unterschätzen ist außerdem der Wiedererkennungswert des Mottos für die Öffentlichkeitsarbeit: Ein derart bekannter Stoff erleichtert es, das Publikum schon im Vorfeld der Auftritte auf die Show einzustimmen und Neugier für die konkrete choreografische Umsetzung zu wecken.