Magic Girls
Saison 2007-2008

Engel und Teufel

Trainer: Melanie Pingen-Müller
Betreuer: Alex Braun

Nach dem Auftakt mit „Cowboy und Indianer" wagen die Magic Girls in der Saison 2007/2008 einen deutlich dunkleren, dramatischeren Schritt: „Engel und Teufel" stellt Licht und Schatten, Gut und Böse, Himmel und Hölle als tanzbares Spannungsfeld auf die Bühne. Es ist die erste Show der Gruppe, die konsequent mit starken Kontrasten in Farbe, Licht und Bewegung arbeitet – und damit einen Ton setzt, der viele spätere Mottos beeinflusst.

Die Kostümwelt trennt sich sichtbar in zwei Lager. Auf der einen Seite reines Weiß, Federflügel und fließende Stoffe, die jede Bewegung leicht und schwerelos wirken lassen. Auf der anderen Seite Schwarz und Rot, spitze Silhouetten, Hörner und Kostümdetails, die Kraft und Verführung ausstrahlen. Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich die Choreografie wie ein ständiges Ringen um die Kontrolle über die Bühne – mal übernehmen die Engel mit weichen, schwebenden Formationen die Szene, mal drängen die Teufel mit scharfen, kraftvollen Bewegungen nach vorn.
Musikalisch nutzt die Show diesen Kontrast konsequent: sphärische, fast kirchliche Klänge für die Engel-Passagen wechseln sich mit treibenden, bassbetonten Rhythmen für die Teufel-Parts ab. Der Spannungsbogen der Choreografie folgt genau diesem Wechsel – ruhige, getragene Formationen lösen sich in energiegeladene Gruppenbilder auf, bevor sich beide Welten im Finale zu einer gemeinsamen, fast versöhnlichen Schlussformation vereinen. Diese Auflösung ist bewusst gesetzt: Am Ende zeigt sich, dass Licht und Schatten zusammengehören und erst im Zusammenspiel ein vollständiges Bild ergeben.

Für die Magic Girls war „Engel und Teufel" ein wichtiger Reifeschritt. Während die erste Saison vor allem von der Kostümwirkung lebte, verlangt dieses Motto tänzerisch mehr Präzision: Die Formationen müssen exakt sitzen, damit der visuelle Kontrast zwischen den beiden Gruppen auch aus der Distanz klar erkennbar bleibt. Diese Saison zeigt damit erstmals, wie sehr Choreografie und Kostümkonzept ineinandergreifen müssen, um ein Motto glaubwürdig zu erzählen.

Auch dramaturgisch ist diese Show ein Meilenstein. Statt eines linearen Ablaufs setzen die Magic Girls erstmals auf einen echten Spannungsbogen mit Höhen und Tiefen, mit Momenten der Ruhe und der Eskalation. Das Publikum wird bewusst zwischen den beiden Welten hin- und hergezogen, bevor die Auflösung im Finale für den emotionalen Höhepunkt sorgt. Diese Erzählstruktur – Aufbau, Zuspitzung, Auflösung – wird in den folgenden Jahren zu einem festen Bestandteil vieler Magic-Girls-Shows.

Rückblickend markiert „Engel und Teufel" den Punkt, an dem die Gruppe begann, Mottos nicht mehr nur zu illustrieren, sondern sie als echte Geschichte auf die Bühne zu bringen. Der Kontrast zwischen zwei extremen Bühnenwelten wird zum wiederkehrenden Stilmittel, das in unterschiedlichen Variationen später erneut auftaucht – etwa in Shows, die ebenfalls mit klaren Gegensätzen arbeiten.

Für die Chronik der Magic Girls steht diese Saison damit für einen wichtigen Entwicklungsschritt: weg von der reinen Kostümshow, hin zu einer choreografisch und dramaturgisch durchdachten Bühnenerzählung. „Engel und Teufel" bleibt bis heute eines der visuell einprägsamsten Mottos der Gruppe – nicht zuletzt, weil der Kontrast zwischen Licht und Dunkelheit auf der Bühne so klar und kraftvoll umgesetzt wurde.

Auch für das Publikum bleibt diese Saison lange in Erinnerung, weil sie mit einfachen, universell verständlichen Symbolen arbeitet, die keine Erklärung brauchen: Jeder erkennt sofort, wofür Flügel und Federn auf der einen und Hörner und Rot-Schwarz auf der anderen Seite stehen. Diese Klarheit macht „Engel und Teufel" zu einem der zugänglichsten Mottos der frühen Jahre, ohne dass die Show dadurch an Tiefe verliert – im Gegenteil, gerade die Einfachheit der Bildsprache schafft Raum für die choreografische und dramaturgische Finesse, die diese Saison auszeichnet.
Bis heute gilt „Engel und Teufel" innerhalb der Gruppe als Referenzpunkt dafür, wie ein einfaches Gegensatzpaar zu einer vollwertigen Bühnenerzählung werden kann, ohne dass zusätzliche Handlungselemente nötig wären.